Neu beim ifb: Qualifizierung zum BEM Koordinator

Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement: ein Rettungsanker für betroffene Mitarbeiter

Unsere Seminarplaner kommen mir immer wie richtige Trend-Scouts vor: ständig auf der Suche nach topaktuellen Themen, die für euch als betriebliche Interessenvertreter wichtig sein könnten. Dieses Jahr gibt es mehr als 30 neue Seminare beim ifb: vom spannend klingenden „Tatort Betrieb“ bis hin zum praktischen „Frischen Wind in der Protokollführung“. Heute will ich aber mehr über eine ganz besondere Schulung wissen: die „Qualifizierung zum BEM-Koordinator“ (mit Zertifikat). Ich spreche mit Juristin und Referentin Ines Heinsius, Produktplanerin beim ifb, die dieses Seminar entwickelt hat.

Ines, was macht ein BEM-Koordinator? Was darf ich mir darunter vorstellen?

Das betriebliche Eingliederungsmanagement wird in den Betrieben ganz unterschiedlich gehandhabt. Im Idealfall ist aber der BEM-Koordinator sowohl für die betroffenen Mitarbeiter als auch für den Geschäftsführer der Ansprechpartner im Unternehmen. Es ist also jemand, der sich richtig gut auskennt, was das BEM-Verfahren betrifft, der den Überblick über die möglichen Maßnahmen hat. Und der auch weiß, wen man extern ins Boot holen kann: Wenn z.B. der Arbeitgeber die Kosten für eine bestimmte Maßnahme nicht trägt, dann weiß der BEM-Koordinator, an welche unterstützende Behörden er sich wenden kann. Außerdem ist er auch fit in der Gesprächsführung mit Betroffenen – das ist ebenfalls ein ganz wichtiger Aspekt.

Es gibt beim ifb ja bereits die Seminarreihe „Betriebliches Eingliederungsmanagement Teil I-III“. Worin unterscheidet sich das neue Seminar von den Inhalten der Reihe?

In unserer dreiteiligen Seminarreihe zum BEM geht es eher darum, sich einen guten Überblick zu verschaffen. Oft sind die Seminarteilnehmer (gerade bei Teil I) noch gar nicht am BEM in ihrem Betrieb beteiligt, sondern erstmal nur am Thema interessiert. In der Seminarreihe lernen sie rechtliche Hintergründe und geeignete Maßnahmen kennen und eignen sich viel Wissen rund um BEM-Prozesse an.

Im neuen Seminar geht es noch viel konkreter um die Umsetzung der Theorie in die Praxis. Das BEM wird quasi gelebt: Die Seminarteilnehmer entwickeln Maßnahmen anhand von Fallbeispielen, bekommen Analysetools und Checklisten an die Hand, Tipps für den Netzwerkaufbau usw. Es ist ein richtiges Praxis-Seminar: Die Teilnehmer üben auch ganz gezielt, schwierige Gespräche zu führen. Oft sind das ja emotional sehr aufgeladene Situationen. Damit muss man erstmal umgehen können. Rollenspiele sind hier eine gute Vorbereitung und Übung. Das Seminar richtet sich also ausschließlich an diejenigen, die bereits praktische BEM-Erfahrung haben.

Braucht man denn Vorkenntnisse, um das Seminar zu besuchen?

Ja. Teilnehmer sollten entweder die Seminarreihe „Betriebliches Eingliederungsmanagement Teil I-III“ besucht haben oder entsprechende Kenntnisse haben: Wenn Sie also zum Beispiel schon seit einiger Zeit im BEM Team Ihres Betriebes mitarbeiten und Ihr Wissen jetzt nochmal vertiefen und auch mit einem Titel dokumentieren wollen.

Was sind denn deiner Erfahrung nach die größten Probleme, die bei der Wiedereingliederung auftreten? Und wie bereitet dich das Seminar darauf vor?

Das größte Problem ist oft, dass Betroffene Angst davor haben, zu viel preiszugeben, gerade wenn es sich bei ihnen um eine psychische Erkrankung handelt. Manche lehnen eine Wiedereingliederung sogar von vornherein ab, weil sie Angst haben, es sei die Vorstufe zu einer Kündigung. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Das kann man gar nicht oft genug betonen: Beim BEM geht es wirklich einfach darum, dass die Mitarbeiter wieder gesund werden und langfristig arbeiten können. Hier muss der BEM-Koordinator also vor allem das Vertrauen der Betroffenen gewinnen. Im Seminar wird deswegen auch auf kommunikative Kompetenzen ganz viel Wert gelegt.

In der Inhaltsübersicht zum Seminar finde ich verschiedene Bereiche, z.B. rechtliche Hintergründe, kommunikative Techniken und konkrete Fallbeispiele und Maßnahmen. Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste bei der Wiedereingliederung?

Am wichtigsten ist es wohl, die Mitarbeiter gut abzuholen. Also, wie vorhin schon erwähnt, das Vertrauen zu schaffen, dass Betroffene BEM-Maßnahmen überhaupt annehmen. Denn die Maßnahme kann noch so gut sein: Wenn der Mitarbeiter sich weigert, dann gibt es auch keine Wiedereingliederung. Auch der Bereich Datenschutz ist da ganz wichtig: oft fragen sich Betroffene, inwieweit Informationen aus der BEM-Akte in der Personalakte landen. Dabei dürfen die persönlichen Daten ohne die Zustimmung des Mitarbeiters gar nicht weitergegeben werden.

Wieso ist das betriebliche Eingliederungsmanagement so wichtig?

Der Arbeitnehmer hat dadurch die Aussicht, wieder langfristig am Arbeitsleben teilnehmen zu können. Aber auch für den Arbeitgeber ist ein gutes Eingliederungsmanagement von großer Bedeutung, gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel und den Mangel an Fachkräften in Deutschland: Der Arbeitgeber kann dadurch wichtige Mitarbeiterressourcen erhalten und Arbeitsunfähigkeiten reduzieren. Zudem wirkt sich ein transparentes BEM auch insgesamt positiv auf die Unternehmenskultur und die Stimmung im Betrieb aus.

Vielen Dank für das Gespräch, Ines!

Bildquelle: Fotolia

Seminar: Qualifizierung zum BEM-Koordinator

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