„Und dann war Schluss mit dem Genuschel…“

Etwas unsicher stand er mit dem Mikro vor seinen Kollegen. Der Chef persönlich drückte es ihm vor wenigen Augenblicken in die Hand. Das kam überraschend. Ob er denn bitte kurz, vielleicht zwei oder drei Minuten lang, auch etwas zu diesem Thema sagen würde. Alle Augen im Raum richteten sich auf ihn. Ok, durchatmen: Immerhin wusste er inhaltlich Bescheid. Wenn er doch nur wissen würde, wie er den Einstieg finden sollte.

Mit einem dicken Kloß im Hals vor anderen stehen. Etwas zu sagen haben, aber wie drückt man sich am besten aus? Und: Spreche ich eigentlich deutlich? Verstehen mich die anderen akustisch?

Nicht nur Betriebsräte erleben das, auch mancher Schüler gerät auf einmal in eine solche Situation: Eine kleine Rede halten, sich vor andere hinstellen und etwas sagen – nur wie?

In der 9. Klasse des Murnauer Staffelseegymnasiums stehen im Vergleich zum Vorjahr ganz neue Dinge auf dem Lehrplan: Vorträge halten, Referate vorbereiten und auch mündliche Schulaufgaben. Dies stellt nicht wenige vor ganz neue Herausforderungen.

Der Förderverein „Freunde des Staffelseegymnasiums“ bietet deshalb seit zwei Jahren in Zusammenarbeit mit dem ifb für Schüler dieser Jahrgangsstufe ein ganz besonderes Rhetoriktraining an.

Sabine Wolfgram, die stellvertretende Institutsleiterin des ifb, ist Mitglied im Förderverein: „Bei den Vorträgen und Referaten werden auch das Repräsentieren, die Darstellung sowie die Sprache der Schüler bewertet. Da gibt es bei vielen noch ein Manko. Unsere Idee war, gleich hier anzusetzen und die guten Kontakte des ifb zu ausgezeichneten Rhetoriktrainern zu nutzen, um uns für die Schüler zu engagieren.

Die Konzeption übernahm die erfahrene Rhetorikexpertin Doris Lucas. Die Münchnerin arbeitet schon lange für das ifb. Das eintägige Training ist offizieller Teil des Unterrichts. Jede Klasse wird dazu in drei Gruppen aufgeteilt.  Im Mittelpunkt steht das eigene Üben mit Hilfe von Videoaufnahmen. Ralf Richter (Foto oben), 49, leitet als einer von sechs ifb-Kollegen die Trainings. Beim ifb ist er als Seminarplaner für den Bereich Rhetorik und Kommunikation zuständig. „Am Anfang sind viele Schülerinnen und Schüler noch reserviert. Manche sind nervös, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Aber das legt sich recht schnell.

Körpersprache, Videoanalyse, Feedbackregeln, Planung einer Vortragsstruktur und immer wieder Praxiseinsatz.Im Seminar machen wir einige schöne Dialogübungen, bei denen man schnell merkt, welche Muskeln beim Sprechen bewegt werden. Die Kamera kommt auch häufig zum Einsatz. Die Videoanalyse zeigt sehr deutlich, welche Aspekte einen guten Referenten ausmachen.

Für andere Institutionen leitete Richter bereits über 50 solcher Workshops. „Schon nach einen Tag Rhetoriktraining ist bei vielen Schluss mit dem Genuschel„, ergänzt er lachend.

Das Feedback ist gut. Die Schüler finden den Tag super. Auch viele Lehrer äußern sich lobend. Was alle freut: Die Noten vieler Rhetorik-Teilnehmer seien in den mündlichen Prüfungen danach spürbar besser geworden.

One Kommentar zu “„Und dann war Schluss mit dem Genuschel…“”

  1. Hi! Mein Sohn hat kürzlich dieses Seminar mitgemacht. Erst war er mehr als skeptisch und fand es am Ende richtig super. Letzte Woche hat er die Note für seine mündliche Deutschschulaufgabe erhalten. 1! 🙂 Sonst gibt es nichts Besseres als eine 3. Also, vielen DANK für die tolle Rhetorik-Nachhilfe! LG Claudia

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