Perspektivwechsel im ifb: Equal Chance statt Girls‘ und Boys‘ Day

Schüler beim Dekorieren der Cupcakes

„Und was möchtest Du später einmal werden?“ So häufig Schülern aller Altersklassen diese Frage auch gestellt wird, so schwer lässt sie sich beantworten. Denn selbst wenn Lieblingsschulfächer oder Hobbies eine grobe Richtung vorgeben können: Nur der Versuch macht klug. Berufsbiographien verlaufen nicht mehr linear und ebenso komplex sind heute Berufsbilder, Studiengänge und die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen.

Am 28. April besuchten elf Schülerinnen und Schüler aus der Region das Institut zur Fortbildung von Betriebsräten im Rahmen des Girls’ bzw. Boys’ Day, um in verschiedene Berufe hinein zu schnuppern. Abwechselnd getrennt und zusammen lernten die Jungen und Mädchen hier verschiedene Berufe kennen. Und schon im ersten Workshop wurden die feinen Unterschiede deutlich. „Wenn ihr von der Schule nach Hause kommt und Eure Mutter Euch fragt >>Wie war’s in der Schule?<<, was sagt Ihr dann?“ fragte Kommunikationstrainer Ralf Richter „Gut…“ murmelten die Jungen zwischen 14 und 16 Jahren. „Und wenn sie das Eure Schwester fragt?“ Allgemeines Augenrollen. Luca, 14, erklärt: „Mädchen finden einfach viele Sachen wichtig. Deswegen erzählen sie dann auch mehr.“ Ist Kommunikation also nur „Mädchensache“? Keineswegs – denn als Richter erklärt, wie unterschiedlich Kommunikation funktionieren kann und in Japan ein aufmerksamer Zuhörer seine Begeisterung durch verschränkte Arme und geschlossene Augen signalisiert, sind die Jungen begeistert. Der Seminarplaner des ifb erklärt den Schülern das Kommunikationskonzept aus Sachebene, Beziehungsebene, Apell und Selbstoffenbarung – und begeistert damit seine jungen Zuhörer.

Workshop mit Sabine Wolfgram

In der Zwischenzeit lauschten die Mädchen einem Vortrag von
Sabine Wolfgram, Geschäftsführerin des ifb und als Mutter mit vielen Fragestellungen rund um das Thema „Frauen im Beruf“ vertraut. Ihre Botschaft an die Schülerinnen lautet: Viele Wege führen nach Rom – und manche dieser Wege ergeben sich erst im Laufe der Zeit. Wolfgram selbst hat vieles ausprobiert, ehe sie im ifb ihre berufliche Heimat fand: Sie war Austauschschülerin in den USA, Auszubildende in einer Bank, Rechtsanwältin und nicht zuletzt Juristin beim ifb. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie liegt ihr besonders am Herzen – und so ist es auch ihrem Einsatz zu verdanken, dass die Rückkehrquote aus der Elternzeit unter den Mitarbeitern des ifb bei 100 Prozent liegt. Aktuell arbeiten hier 44 Mütter und Väter von 58 Kindern. 60 Prozent der ifb-Führungskräfte sind weiblich – damit liegt das Unternehmen weit über dem Bundesdurchschnitt.

Zum Zeitpunkt seiner Einführung im Jahr 2001 war der Girls’ Day als Maßnahme geplant, um Mädchen für klassische Männerberufe zu interessieren: Ingenieurswissenschaften, Naturwissenschaften, technische Berufe. Heute soll damit an die Freiheit und damit einhergehende Verantwortung junger Menschen appelliert werden. Henrike von Platen, Präsidentin des Unternehmerinnennetzwerks „Business Professional Women“ formulierte es in dieser Woche so: „Der Girl’s Day ist ein Equal Chance Day: Jungs sollten wissen, dass sie Bundeskanzlerin, und Mädchen, dass sie Konzernchef werden können.“

ifb ZDF

Auch im ifb sind die typischen Berufswünsche unter den Schülern vertreten: Die Jungen interessieren sich eher für Wirtschaft und Informatik, die Mädchen für Kunst und Sprachen. Gerade von Vielfalt oder „Diversity Management“ wie es bundesweit in Personalabteilungen gepredigt wird, profitieren Unternehmen jedoch nachweislich. Zuletzt zeigte eine Studie des Peterson Instituts in Washington, dass der durchschnittliche Nettogewinn von Unternehmen um 15 Prozent steigt, sobald der Frauenanteil in der Führungsriege von 0 auf 30 Prozent steigt.

Boys Day im ifb

Und auch im ifb zeigte sich an diesem Girls’ bzw. Boys’ Day, dass es sich lohnt, Fragestellungen auch aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten – in diesem Fall die eines technikbegeisterten Schülers. Zum Abschluss seines Vortrags erklärte Ralf Richter: „Man braucht für Kommunikation immer einen Sender und einen Empfänger. Also mindestens zwei Personen.“ „Stimmt nicht,“ sagt Luca. „Man kann ja auch mit Siri reden.“

Geschrieben von Jessica Riccò

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