Blutspende-Aktion im ifb: Cola für alle!

Arm der bei Blutspende angezapft wird

Vor circa drei Monaten stießen in der Nähe von Bad Aibling zwei Züge frontal zusammen. Zwölf Menschen starben in Folge des Unglücks, über 80 wurden verletzt. In den folgenden Tagen rief das Bayrische Rote Kreuz im Raum München mehrfach zu Blutspendeaktionen auf.

Seehausen ist gut 80 Kilometer westlich von Bad Aibling gelegen – und doch ging vielen Kolleginnen und Kollegen das Zugunglück besonders nahe. Viele haben Freunde und Verwandte im Münchner Umland, einige pendeln selbst täglich mit dem Zug. Der Vorschlag einer Kollegin, mit dem ifb als ganze Firma Blut zu spenden, wurde so nicht nur mit Zustimmung, sondern beinahe mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen: Wenn das Schicksal zuschlägt, können wir etwas tun. Und praktische Hilfe leisten.

Blutspende Anmeldung

Am 25. April war es endlich soweit. Im Kurhaus in Murnau erwartete ein Team von Ärzten und LaborassistentInnen darauf, das Beste aus den Mitarbeitern rauszuholen: Unser Blut. Bevor es dazu kommen konnte, waren jedoch noch einige Voruntersuchungen nötig. Schon im Vorfeld konnten Mitarbeiter sich über eine Hotline des Bayrischen Roten Kreuzes erkundigen, ob sie als Blutspender in Frage kommen. Die Gründe, die gegen eine Spende sprechen, sind vielfältig: Eine Akupunktur in einer nicht-ärztlichen Praxis innerhalb der vergangenen vier Monate kann beispielsweise schon ein Ausschlusskriterium sein, ebenso ein Aufenthalt über sechs Monate in Großbritannien in den Achtziger Jahren. Dazu kommen die „üblichen Verdächtigen“: Vorerkrankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente, zu geringe Hämoglobin-Werte oder zu niedriger Blutdruck.

Fragebogen zur Blutspende

Besonders letzterer Punkt kann zu einem deutlichen Spenderschwund in einem Unternehmen mit einem Frauenanteil von 80 Prozent führen – das wurde uns und auch der Verfasserin dieses Artikels am Blutspende-Tag sehr deutlich. Da insbesondere junge Frauen tendenziell zu eher niedrigem Blutdruck neigen, hieß es also für viele von uns: „Bitte erstmal ein großes Glas Cola trinken, dann kommen Sie nochmal zum Blutdruck messen…“

Von ursprünglich über 50 spendewilligen ifb-Kolleginnen und Kollegen blieben nach allen Fragebögen und Voruntersuchungen nur noch 21 fähige Spender übrig. Beziehungsweise: 10,5 Liter.

Blutdruck messen vor der Blutspende

In Deutschland werden Blutspenden in erster Linie für die Versorgung von Krebspatienten verwendet: 19 Prozent aller Spenden finden so einen Empfänger. Jeweils 16 Prozent fließen an Herz-/Kreislauferkrankte und an Magen-/Darmpatienten. „Nur“ 12 Prozent enden bei Unfallopfern – doch wie der zuständige Arzt vor Ort erklärte, schmelzen die Bestände bei einem Unglück wie dem von Bad Aibling schnell dahin. Mit dem Aufruf des Bayrischen Roten Kreuzes im Februar sollten so vor allem Engpässe vermieden werden.

Arm der bei Blutspende angezapft wird

Rund 42 Tage ist eine Blutkonserve haltbar, danach muss sie vernichtet werden. Zugegeben: Als Erstspender fühlt man sich bei dieser Information in seinem Stolz verletzt. Da überwindet man sich, bringt den Kreislauf mit Cola und Treppenhaus-Jogging in Schwung, lässt sich todesmutig anpieksen – und dann soll alles umsonst gewesen sein?

Nein. Der Pieks tut nicht weh, denn das Personal des Bayrischen Roten Kreuzes ist glücklicherweise im Umgang mit Nadeln sehr geübt. Keiner unserer Mitarbeiter musste aus einer zarten Ohnmacht befreit werden – durch die professionelle Betreuung vor Ort und ein appetitliches Schnittchen-Buffet fühlten wir uns sehr gut aufgehoben. Und vor allem: Eine Blutspende ist nie umsonst. Sie wird mit dem Gefühl belohnt, eben doch etwas tun zu können – und das Schicksal so zumindest ein bißchen zu kontrollieren.

Geschrieben von Jessica Riccò

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.